Kleiner Keramikführer

Samstag, 23. September 2017 17:21

TERRAKOTTA 

Traditionsreich und leuchtend rot: Terrakotta sorgt für mediterranes Flair und bringt durch ihre besondere Materialbeschaffenheit weitere Vorteile mit. Terra cotta, Italienisch für „gebrannte Erde", ist ein Vertreter des sogenannten Irdengutes. Diese Art Keramik wird bei relativ niedrigen Temperaturen gebrannt. Das Material mit der typisch roten Farbe begegnet uns klassischer- weise als Tontopf auf dem Balkon, ist aber auch in der Küche hilfreich. 

Geschichte 

Terrakotta ist eine der ursprünglichsten Keramiken und einer der ältesten Werkstoffe der Kulturgeschichte. Schon die alten Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten kannten den Werkstoff und verarbeiteten ihn zu Gefäßen, Plastiken und Baumaterial. 

Material 

Terrakotta ist eine Ton-Art und somit verwittertes Gestein. Das Ausgangsgestein bestimmt die spätere Zusammensetzung des Tons und die Eigenschaften der daraus geschaffenen Gefäße. Rote Terrakotta ist besonders eisenhaltig, gelbe Terrakotta ist kalkhaltig. Rund um die Stadt Impruneta in der Toskana kommt zum Beispiel eine Terrakotta vor, die als besonders frost- beständig gilt. 

Herstellung

Unglasierte Terrakotta wird bei für Keramiken verhältnismäßig niedrigen Temperaturen gebrannt. Ein einmaliger Brand bei 900 bis 1000 Grad reicht aus, um die Gefäße zu festigen. Diese einfache Herstellung trug zum frühen Erfolg und zu weiter Verbreitung des Tons bei. 

Aussehen 

Klar erkennbar ist die Keramik an der rötlichen Farbe. Der sogenannte Scherben (in Form gebrachte Rohmasse) ist porös und wasserdurchlässig. Während des Brennens verdichten sich die Porenräume, ohne dass die Form des Gefäßes schmilzt. Diesen Prozess nennt man im Fachjargon Sintern. Bei Terrakotta sintert der Scherben jedoch wegen der niedrigen Brenntemperatur nicht vollständig dicht. Für einen Qualitätscheck klopfen Sie gegen den Ton: Hochwertige, heiß gebrannte Terrakottatöpfe klingen blechern, Töpfe, die viel Wasser ziehen, klingen dumpf. 

Verwendung 

Wegen ihrer Porosität ist Terrakotta die zerbrechlichste Art der Keramiken. Sie ist ist feuerfest und eignet sich mit einer Glasur als Auflaufform. Die Porosität hat auch Vorteile: Unglasierte Pflanztöpfe ermöglichen eine Belüftung der Wurzeln, die bei Plastiktöpfen nicht gegeben ist. Das Wasser sollte jedoch immer gut abfließen, denn gefrierendes Wasser kann Töpfe sprengen.


STEINGUT 

Vom kurzzeitigen Porzellanersatz bis hin zu Fliesen an unserer Küchenwand: Steingut hat eine spannende Karriere hinter sich 
Ein weitere Unterklasse des Irdengutes ist Steingut. Achtung, Verwechslungsgefahr: Steingut ist der porösen Tonkeramik (wie Terrakotta) näher als dem Steinzeug, obwohl es einen ähnlichen Namen trägt. 

Geschichte

Die Existenz von Porzellan war in Europa bereits bekannt - im Gegensatz zu dessen Rezeptur, die den wenigsten zugänglich war. Und so wurde während der Suche nach einem Material, das Porzellan ähnelte, in den 1720er-Jahren in Staffordshire, England, das Steingut erfunden. Und zwar in Form vom sogenannter „Creamware", einem hellen Steingut, das durch dünne Glasur Reliefs fein hervortreten ließ. Das Material wurde ab etwa 1765 weltberühmt, als Josiab Wedgwood daraus ein Service für Königin Charlotte produzierte. „Creamware" löste ab dato die sogenannten Fayencen ab, die bereits ab dem 16. Jahrhundert ebenfalls zum Ziel hatten, Porzellan zu imitieren. 

Herstellung

Üblicherweise wird die entsprechende Tonmischung in Form gegossen. Brenntemperaturen liegen traditionell unter der Sinterungsgrenze von 1150 Grad. Der Scherben bleibt somit porös und wird erst durch eine Glasur wasserdicht. Dekore, deren Farben dank der niedrigen Brenntemperatur ihre Leuchtkraft behielten, wurden meist auf eine durchsichtige Glasur aufgebracht. Traditionell war die Glasur von Steingut, wie auch die von Fayencen, bleihaltig. Heute ist dies im Lebensmittelbereich verboten. Dem giftigen Material entgeht man, indem heutzutage Hartsteingut bei bis zu 1300 Grad gebrannt und mit einer Weichporzellanglasur veredelt werden kann. 

Aussehen 

Steingut ist dünner und glatter als Steinzeug. Der Scherben ist porös und nicht transparent. Je nach Ausgangsmaterial ist die Farbe weiß bis rotbraun. Nach einiger Gebrauchszeit bildet sich ein sogenannter Craquelé-Effekt, feine Haarrisse, an denen sich Steingut von Steinzeug unterscheiden lässt. 

Verwendung 

Glasiertes Steingut ist wasserdicht. Weichsteingut relativ stossempfindlich. Hartsteingut eignet sich als Geschirr und auch für Sanitärartikel. Innovative Produkte nutzen die poröse Oberfläche zum Beispiel zur Kühlung von Getränken.


STEINZEUG

Steinzeug gehört zum Sinterzeug - einer Klasse von Keramiken, die beim Brennen höher erhitzt wird als Steingut oder Terrakotta und dadurch wasserdicht ist. Das Material ist eine gute Wahl für Küchengeschirr. 

Geschichte 

Steinzeug wurde zuerst in China und Japan produziert. Das erste europäische Steinzeug war mit einer sogenannten Salzglasur bezogen und ist auf das Jahr 1350 mit dem Fundort Siegburg datiert. In den folgenden Jahrhunderten galt das Rheinland als Zentrum des europäischen SteinzeuMaterial

Steinzeug besteht zu einem großen Teil aus Ton. Hinzu kommen je nach Mischverhältnis 20 bis 40 Prozent Quarz und mit 1 bis 10 Prozent ein kleiner Anteil an Feldspat.

Herstellung 

Voraussetzung für die Produktion waren früher liegende Öfen, mit denen höhere Temperaturen als mit stehenden Ofen erzielt werden konnten. Die Brenntemperatur hängt von der Materialzusammensetzung ab. Bei 900 Grad erfolgt der erste Brenndurchgang, der sogenannte Schrühbrand. Dabei bleibt das Material porös und kann die Glasur aufnehmen. Im zweiten Schritt, dem Glattbrand, verschmilzt bei 1200 bis 1300 Grad die Glasur mit dem Ton zu einer wasserfesten, glänzenden Schicht. Während dieses Prozesses verliert die Masse Wasser, und das Gefäß schrumpft um und Feinsteinzeug kann auch dünn rund 20 Prozent. Eine besondere Kategorie ist das salzglasierte Steinzeug. Da- für wird, sobald die höchste Brenntemperatur erreicht ist, Kochsalz in den Ofen geworfen. Die Salzkristalle spalten sich bei der Hitze auf, der Natriumanteil legt sich als Glasur auf die Keramik. 

Aussehen

Die Oberfläche von selbstgebranntem Steinzeug ist von kleinen Pünktchen geprägt, die entstehen, wenn die Salzkristalle auf den Ton treffen. Steinzeug konnte in den Anfangszeiten der Keramikkunst nicht so leuchtend wie Steingut dekoriert werden, da der Scherben dunkel war und so die helle Grundlage fur die Farben fehlte. Traditionell ist die Glasur dicker als bei Steingut. Mit technischem Fortschritt überwand man jedoch diese Nachteile. Heute gibt es auch Steinzeug mit hellen Scherben,  und Feinsteinzeug kann auch dünn glasiert werden.

Verwendung

Steinzeug ist leicht zu reinigen, widerstandsfähig gegen Stöße und daher besonders gut geeignet, um als Geschirr verwendet zu werden. Außerdem ist das Material feuerfest und verträgt große Temperaturwechsel. Dank dieser Eigenschaft leistet es als Auflaufform oder Serviergeschirr sehr gute Dienste.


PORZELLAN

Porzellan verbinden wir aufgrund seiner zarten Optik mit filigraner Eleganz, und deshalb darf es bei keinem Festmahl fehlen. Dennoch ist das Sinterzeug stabiler, als es wirkt... 

Geschichte

Porzellan war zunächst ein gut gehütetes Geheimnis der Chinesen. Dort hatte das Material in der Song-Dynastie (960-1279) seine erste große Blütezeit, Weichporzellan ist aber schon viel länger bekannt. Die Europäer versuchten lange, es nachzubilden, bis die Herstellung im 18. Jahrhundert auch in Deutschland gelang. Ein weiterer Versuch brachte in England das sogenannte Knochenporzellan (Bone China) hervor. 
Versuche, Porzellan zu imitieren. gab es in Europa viele. Doch erst mit dem Apothekergehilfen Johann Friedrich Böttger wird die (Nach-)Erfindung in Verbindung gebracht. Obwohl er eigentlich nach etwas ganz anderem auf der Suche war: Einst behauptete er, aus unedlem Metall Gold produzieren zu können. Dieses Versprechen erregte natürlich Aufsehen. Der Albertiner-Fürst August der Starke nahm Böttger unter Arrest und unterstütze ihn während seiner Gefangenschaft mit einem Labor, um sein Versprechen wahr zu machen. Böttger arbeitete gemeinsam mit dem Wissenschaftler Walther Graf von Tschirnhaus an seinem Vorhaben. Es gelang ihnen, zunächst ein rotes Steinzeug nach chinesischem Vorbild (Jaspis- bzw. Böttgerporzellan) herzustellen. Erst am 15. Januar 1708 wurde die Zusammensetzung für weißes Hartporzellan notiert. Die Handschrift ist jedoch die von Böttgers Arzt und nicht ihm selbst oder Tschirnhaus zuzuordnen. Tschirnhaus verstarb kurz darauf am 11. Oktober 1708. Anfang 1910 gründete August die erste europäische Porzellanmanufaktur mit Sitz in der Albrechtsburg in Meissen. Der Erfolg des Meissener Porzellans währt bis heute. Doch wer das europäische Hartporzellan nun wirklich erfunden hat, bleibt bis heute ungeklärt, und wir wissen nicht wem die Ehre des Erfolges wirklich gebührt. 

Material

Der hohe Anteil an eisenfreiem Kaolin (mindestens 50 Prozent bei Hartporzellan) sorgt für strahlend weißes Aussehen. Dem hellen Ton mischt man Feldspat und Quartz bei. Knochenporzellan ist ein Weichporzellan, das, wie der Name schon sagt, tatsächlich rund 50 Prozent Rinderknochenasche enthält. 

Herstellung

Für feine Formen gießt man die pastöse Masse verdünnt in Gipsformen. Teller und einfache Schalen lassen sich in Form pressen. Der Rohling wird erst bei rund 1000 Grad, anschliessend mit der Glasur erneut bei bis zu 1450 Grad gebrannt. Dekore fixiert man durch einen dritten Brand. Für Knochenporzellan liegen die Brenntemperaturen bei maximal 1260 Grad, da das Knochemehl sonst verbrennen würde. 


Aussehen

Ist die Wandstärke der Gefässe dünn, wird Porzellan fast transparent wie milchiges Glas. Die Gefäße haben einen hellen Klang. Bone China hat durch die beige- fügte Knochenasche eine hohe Transparenz und gilt als besonders edel, ist aber auch zerbrechlicher als Hartporzellan. 

Verwedung

Porzellan ist geschmacksneutral und aufgrund seiner glatten Oberfläche leicht zu reinigen. Das Material hat einen isolierenden Effekt und hält daher Speisen warm. Sein zartes Erscheinungsbild, gepaart mit Widerstandsfähigkeit, macht es zum idealen Serviergeschirr.

(Unter Verwendng eines Artikels in der Zeitschrift „Wohnidee“)